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Sheherazade
6. Jan 2012 – 21. Feb 2012


Zur Eröffnung unserer Galerie auf der Sonnenalp präsentiert die Künstlerin Waltraud Funk eine 12-teilige Werkserie mit dem Titel Sheherazade. Neben 10 Holzskulpturen gibt es eine großformatige Zeichnung und ein Wandrelief.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Holzskulpturen, die mit fluoreszierendem Pigment bearbeitet sind, was bei Schwarzlicht zu leuchten beginnt. So erscheinen die Arbeiten in zwei unterschiedlichen Zuständen bzw. Gestalten. Unter Tageslicht zeigen sie sich in ihrer materialen Beschaffenheit, in ihrer nackten Rohheit und vermitteln eine ganzheitliche Identität. In der Nacht, respektive im Schwarzlicht, zeigen die Arbeiten eine andere Erscheinung: Die gefestigte, äußere Kontur löst sich auf, wird immateriell und mit ihr die Festlegbarkeit, die Identifizierung durch den Betrachter. Was bleibt, ist ein spurenhafter Abdruck im Raum, der eine andere Realität zeigt, als die physisch manifestierte. Durch diese Umkehrung des Greifbaren ins Ungreifbare, tritt die Skulptur mit dem Raum in Verbindung und findet in ihm ihre Umgrenzung.
Die Arbeiten von Waltraud Funk filtern so bewusst eine conditio humana heraus. Das ist die essenzielle Frage der Selbstfindung – Wer oder was bin ich? Jene Frage bleibt dabei stets beschrieben von Leid, Schmerz oder Reibung sowie Freude, Liebe oder Hoffnung. Die gezeigten Arbeiten bilden diesen Prozess emblematisch ab: Resultierend aus einer eingehenden Beschäftigung der Künstlerin mit menschlichen Verfasstheiten, können die Arbeiten als Ausdruck des Erkennens und des Überwindens gleichzeitig gelesen werden. Sie existieren dazwischen und sind zugleich stellvertretend für die jeweilig­­­e Dynamik. Die Figur auf einem Arm stehend symbolisiert diesen Balanceakt. In einem Moment noch einhändig ein Ausdruck des Gelingens, könnte sie schon im nächsten Moment das Gleichgewicht verlieren und wieder auf dem Boden landen.
Die Arbeiten fungieren also nicht als Platzhalter für eine bestimmte Stimmung oder als Zeuge einer bestimmten emotionalen Phase. Dadurch, dass die potenzielle Umkehrung der Situation bzw. eine Änderung derselben schon inbegriffen ist, ähneln sie dem Kern des menschlichen Seins in seiner Fragilität. Durch ihr Schwanken begegnen sie dem Betrachter auf Augenhöhe und lassen eine dialogische Struktur mit ihm entstehen. So verhält es sich zum Beispiel mit der Arbeit Pina: Als Ergebnis einer 3-jährigen Suche der Künstlerin nach einer Identität für die Skulptur, verwandelte sich die einst gesichtslose Pina in das Portrait einer unbekannten Frau, die zum einen als aufmerksamer Adressat eines imaginären Gesprächs dient und zugleich von ihrer eigenen Geschichte erzählt.
Neben der conditio humana untersuchen Arbeiten wie Helix oder Endless Column die conditio naturalis - Wer gibt der Pflanze den Auftrag zu wachsen? Die Künstlerin interessiert die unbemerkte Bewegung des Wachsens und Entfaltens einer anscheinend autopoietischen Natur. Sie will hinter die Kulissen schauen, der seit Platons Höhlengleichnis ungelöster Frage ähnlich: Was ist Traum und was ist Wirklichkeit? Welche Qualität hat die Wirklichkeit? Der Titel der Ausstellung Sheherazade ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Sie ist eine bildnerische Erzählung, ein formgewordenes Spiel, in dem in unterschiedlich geformten Skulpturen vom inneren Lebenswillen von Mensch und Pflanze erzählt wird.
         susan funk