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O V E R !   8 0   J a h r e    E n d e    2.   W e l t k r i e g
 
 Stadthausgalerie Sonthofen  
  
23.Okt. 2025 bis 05.Dez. 2025

 
 
 
 
 
 
 
 
 
     E i n   S t e i n       

Video
16:9 Querformat
00:11 Min.
2025
 
Ein Stein fällt in den Strom der Zeit. Er versinkt im Haldertobel in einen
sprudelnden Gumpen. In der griechischen Mythologie, heißt es, wirft der
Strom der Zeit die Seelen ans Ufer der Unterwelt. Alles Übrige reißt er mit und
zerreibt es. Auf einer Brücke im tosenden Haldertobel fixiert das Video eine
spontane Zeremonie. Im Moment des Loslassens sucht es nach einer
Verbindung zwischen Erinnerung, Jenseits und Präsenz. 
Das Erholungsgebiet
wird dabei zu einem tröstlich gestimmten Bild der Vergangenheitsbewältigung. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   M o o s    w e g 
     
 Video
   16:9 Hochformat
  00:53 Min.
 2024
 
Das minimalistische Video handelt vom Entfernen des Moosbelags auf den Grundmauerresten des KZ-
Außenlagers Fischen. Unter das Scharren über Beton, das Geräusch des Wegreißens und den Warnruf der
Waldvögel mischt sich von Ferne das Signalhorn eines vorbeifahrenden Zuges.
Parallel zum ehemaligen KZ - Außenlager Fischen befördert der Allgäuer Schienenverkehr Tourist*innen
auf der Suche nach einem friedlichen Idyll an ihr Ferienziel. Die Künstlerin befördert unterdessen mit Händen und Füßen
unter einer kaum verwurzelten Schicht Teile der Vergangenheit ans Licht. So naheliegend wie das Lager ist auch das
Medium, mit dem sie ihre Aktion und ihre Wahrnehmung festhält:
das Mobiltelefon. Als Kommunikationsmittel, das wir alle bei uns tragen, markiert es das Ende des
stillschweigenden Vergessens.
Hier wird es zum Instrument der Dokumentation des Überwucherns, Überdeckens und
Freilegens.
 

 
 
 
 
      O h n e    T i t e l       
 
  Außenlager Dachau _  KZ Fischen 
 
  
Fotografie 
6 Prints auf Pappelholz
  UV Direktdruck 4c auf Aluverbund 3mm, 
 600 x 800 mm 
2024
 
 
Die 6-teilige Fotoserie entstand auf dem verlassenen Gelände des KZ-Außenlagers Fischen und bildet den Ausgangspunkt einer Werkgruppe über Vorgänge der Wahrnehmung und Verdrängung im öffentlichen Raum. Auf ihren fotografischen Streifzügen im Dickicht der deutschen Geschichte dokumentiert Waltraud Funk den Zustand des Vergessens.

In der offiziellen deutschen Erinnerungskultur wird die nationalsozialistische Vergangenheit im Allgemeinen als singuläre Entgleisung begriffen und auf diese Weise für unwiederholbar erklärt. Problematisiert wurde an dieser Perspektive, dass sie zwangsläufig die Sicht auf Anzeichen des Wiederkehrenden verstellt und die aus ihr hervorgegangene einheitliche Form des institutionellen Gedenkens die Gesellschaft von einer vielschichtigen persönlichen Auseinandersetzung zu entbinden scheine. Jährlich heißt es „Der Bundestag gedenkt“ – aber wie wirksam ist dieses offizielle Gedenken mit 151 Sitzen einer Partei, die der Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ einstuft?

Das verfallene Lager liegt in einem Waldstück am Wanderweg von Fischen nach Oberstdorf. Es war Teil eines weit verzweigten Netzes von 169 Außenlagern des Konzentrationslagers Dachau. Im kollektiven Gedächtnis ist es nur schemenhaft vorhanden. Mit ihrer Handykamera zeichnet Waltraud Funk auf der Suche nach einer anderen Form des Gedenkens die letzten Fundamentreste der vier Baracken auf, in denen rund 300 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in der Zeit von November 1944 bis zum April 1945 der Situation ausgesetzt waren, Zubehör für Kampfbomber und Jagdflugzeuge der Firma Messerschmitt produzieren zu müssen und also an dem systemrelevanten Produkt einer Rüstungsindustrie mitzuarbeiten, die ihren Tod in Kauf nahm.

In ihrer forensischen Atmosphäre deuten die Fotografien auf die Grenzen des Darstellbaren hin. Die Lebensbedingungen im Lager waren gekennzeichnet von Gewalt, Hunger, fehlender hygienischer und medizinischer Versorgung. Der Drang zur Beschönigung war allgegenwärtig: In Nazi-Unterlagen taucht das KZ-Außenlager Fischen unter dem Decknamen „Elfenwiese“ auf. Die Abgeschiedenheit des Ortes hatte aber rein praktische Bewandtnis: Zum Schutz vor zunehmenden Luftangriffen war seit 1943 die süddeutsche Rüstungsproduktion aus den Industriezentren in abgelegene Gebiete verlagert worden.

Neben moosüberwachsenen Mauerverläufen, umstanden von schweigenden Fichten und Buchen, weisen die Fotografien auch auf Neubepflanzungen hin. Was sind das für Sprösslinge, die auf diesem Boden wachsen? Was sagt ein Forst über unseren Umgang mit unserer Geschichte aus? Und wer oder was arbeitet gegenwärtig daran, die Reste der Vergangenheit verschwinden zu lassen? 
 
In diesen Fragen liegt, was Waltraud Funks Lager-Fotografien sind: Bilder des gegenwärtigen Zustands eines unsichtbar werdenden Geländes in unserem kollektiven Gedächtnis.

 
 

 
 
    M i c h a e l   L e r p s c h e r ,   W i l h a m s         
 
 Video
16:9 im Querformat
03:48 Min
  2025  
 
 
 Ein Schicksal der näheren Umgebung: Michael Lerpscher war ein Landwirtssohn aus Wilhams. Er wurde 1940 von den Nazis in Berlin hingerichtet. Die Anklage lautete: „Wehrkraftzersetzung“ – er verweigerte den Dienst an der Waffe. Abgesehen von einer kleinen Gedenktafel an der Kapelle in Wilhams gibt es im Allgäu kaum Spuren seiner Geschichte. Als Materialien des Gedenkens müssen, wie diese Arbeit zeigt, nicht zwangsläufig Betonstelen, Messingtafeln und Bleiplatten her – dienen kann der würdigenden Erinnerung auch das schmerzliche Kratzen einer Rohrfeder über ein unbeschriebenes Blatt.
 
 
 
 
 
 
M i c h a e l   L e r p s c h e r
 
 Leinwand,  Sepia
  430 x 330 mm 
 2025  
 
 
 
 

 
 
Text_Christine Wölfle-Hecht, Wien 
 Fotografie_Markus Lanz, München, Immenstadt
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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