Skulptur und Zeichnung, Schloss, Immenstadt, Text: Gertraud Küchle-Braun, Vorsitzende Berufsverband bild. Künstler


Waltraud Funk wurde 1957 in Immenstadt geboren. Nach einer Holzbildhauerlehre     studierte sie an der Kunstakademie in Karlsruhe Bildhauerei. Seit 1983 ist sie wieder im Allgäu und ist hier als freischaffende Künstlerin tätig.

Vielleicht gelingt es mir, Ihnen Waltraud Funk als Künstlerin näher zu bringen, da ihre Arbeiten bestimmt für manchen Betrachter schwer verständlich sind. Schwerer verständlich als ein herkömmliches Landschaftsbild, das einem gefallen kann in Farbe, Form oder Komposition.
Es ist wahrscheinlich genauso schwierig Funks Skulpturen und Zeichnungen zu verstehen, wie wir auch Schwierigkeiten haben unsere Mitmenschen zu verstehen und zu erkennen, wo wir doch manchmal mit uns selbst schon Schwierigkeiten haben. Hier muss ich mich in die Arbeit hineindenken, muss mit ihr Zwiesprache halten.
So wie sich die Künstlerin sehr intensiv mit dem gesamten Menschen beschäftigt, will sie auch künstlerisch nicht nur eine Wiedergabe eines Gesichts oder einer Figur wie sie es auch als Bildhauerin gelernt hat - sondern ihr kommt es darauf an das Wesen, die Gefühle, die Empfindungen, das Innere eines Menschen zu erfassen und uns zu vermitteln.
Man könnte sagen sie versucht, uns unsere eigenen untergegangenen Urgefühle wieder etwas bewusster zu machen.
In ihren letzten Arbeiten spielt das Herz eine große Rolle. Das Herz außengetragen, symbolisch dargestellt, sichtbar gemacht, soll uns das Zentrum des Lebens mit all seinen Kämpfen in Freud und Leid aufzeigen.
Sicher geht sie sehr von sich aus selber aus, da sie ein Mensch ist, der sehr intensiv lebt und erlebt. Aus diesen Gefühlen heraus versucht sie auch das Innere der Anderen zu ergründen, zu erklären und bildhauerisch darzustellen.
Sie wählt dafür bewusst eine skizzenhafte Materialbearbeitung. Entscheidend ist für sie der Hinweis auf die Form, nicht die Vollendung, damit dem Betrachter genügend Spielraum bleibt seine eigene Fantasie mit einzubringen.
Für uns Künstler ist es oft sehr schwierig den richtigen Zeitpunkt für die Beendigung einer Arbeit zu finden. Wenn Kunstwerke denn je beendet sein können!
Waltraud Funk jedenfalls gibt ihre Werke bewusst zur Beendigung frei und macht uns Betrachter dadurch zum Mitschöpfer, wodurch sicher sehr unterschiedliche Eindrücke zustande kommen. Was bei dem einen vielleicht Bedrückung hervorruft, kann auf einen anderen Betrachter befreiend wirken. Es gibt keine absolute fertige Erklärung. Also sollten wir diese Mitschöpfer Rolle annehmen, uns zum Partner machen - nur so kommen wir Waltraud Funk nahe.
Ich hoffe Waltraud Funk bleibt so kraftvoll und offen in ihrer Arbeit und auch so mutig und gewinnt so noch viele Mitschöpfer Freunde.